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Am 10.12.2016 gegen 23:35 Uhr (letzter Zug nach Prien; letzter Zug nach Aschau um 00:04) wurde ein Haltepunkt für immer geschlossen: Umrathshausen Bahnhof


Moment mal? Ein Haltepunkt? Deswegen so ein Aufriss?


Naja, dieser Bahnhof war ja nicht immer ein Haltepunkt. Einst ein Bahnhof, wie der Name ja auch sagt, mit Aborten, 2 Bahnsteigen und Holzverladegleis. Doch nun mehr zur Geschichte *:

Der ehemalige Haltepunkt Umrathshausen Bf. war 1876 als Wildenwart ausgewiesen. Durch häufige Besuche der königlichen Familie (Schloss Wildenwart) erhielt der Bahnhof großzügige Gleisanlagen und ein großräumiges Empfangsgebäude, welches drei hohe Flügeltüren als Zugang zum Hausbahnsteig aufweist. Ebenso besaß zwei Wartesäle. Der eine für die königliche Familie und den anderen für das einfache Volk. Dem zu erwartenden Güteraufkommen entsprechend, entstand auf der Nordseite der Anlage eine einfache Güterhalle aus Holz. Sie war bahn- und straßenseitig mit einer Laderampe versehen. Neben den Aborten, die 5m Abstand vom Hauptgebäude hatten, befanden sich Kleinviehställe. 


Jedoch begannen 1959/1960 bereits die Abbauarbeiten. Das Hausgleis wurde entfernt und somit auch die Laderampe stillgelegt (inkl. Ausbau von 3 Weichen). Das Gleis 2 wurde verbreitert. 1969 (nach Fahrplänen zufolge; könnte evtl. auch etwas früher gewesen sein, jedenfalls zwischen 1945 und 1969) ist dieser Bahnhof auf 8 Fahrten als Haltepunkt (Halt auf Verlangen) ausgezeichnet. Seit den 80er/90er war er dauerhaft als Haltepunkt (d.h. auf allen Fahrten) markiert. Zwischenzeitlich (etwa 2001/02) wurde der Haltepunkt sogar auf einem Fahrtenpaar sogar komplett ohne Halt durchfahren. Das Empfangsgebäude war eine zeitlang ein Wohnhaus und der Zugang sowie der Bahnsteig ist relativ zugewachsen.


Warum der Haltepunkt letztendlich stillgelegt wurde, ist einer EU Verordnung zu verdanken. Diese besagt, dass Beleuchtung und eine dynamische Fahrgastinformationsanzeige installiert werden muss. Für gerade einmal 3 Familien im Einzugsbereich sind 90.000€ natürlich nicht gerechtfertigt, weder für die Gemeinde Frasdorf, noch für die Deutsche Bahn AG. 


Somit sieht man, dass alles ein Ende hat. Vom einst prächtigen Bahnhof mit Laderampe, über einen Haltepunkt bis hin zur Stilllegung. Nach etwas über 140 Jahren ist somit das Lied zu Ende. Mit bitterem Nachgeschmack für die Anwohner.


Kurzfassung

Gebaut: 1876 als Wildenwart

Geschlossen: 11. Dezember 2016 als Umrathshausen Bahnhof

Jahre in Betrieb: 140

Bahnhofsart: 1 bzw. 2 gleisiger Durchgangsbahnhof

Liegt an: 952 (Chiemgau-Bahn); Prien am Chiemsee - Aschau im Chiemgau


*: Der Text entstammt (teilweise) aus Heinrich Holzapfels “Die Vinzinalbahn Prien-Aschau“


Text und Bilder: Jean-Luc Rohner


AKTUELLE FOTOS VOM 10.12.2016 (letzter Betriebstag):


Vergleichsbilder:

1960 (Unsere Modellbahn) - 2016 (reale Fotos vom 10.12.2016)


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